Musikbox - Jukebox
 

Ursprung des Names "Jukebox"
In Deutschland unter dem Namen "Musikbox" bekannt, kennt man den münzbetätigten Musikautomat ansonsten als "Jukebox".
Der Ursprung dieses Namens ist nicht eindeutig nachvollziehbar. Es wird vermutet, dass sich der Begriff vom alten englischen Begriff "jouk" oder "jook" ableitet, welcher das Tanzen bezeichnet. Verwendet wurde dieser Begriff von der schwarzen Bevölkerung und man traf sich in den sog. "Juke-Joints". Die Musikboxen dort wurden folglich als "Jukebox" bezeichnet.
Das führte jedoch dazu, dass der Begriff negativ besetzt war, so dass die Musikbox in den USA weiterhin lange als "Automatic Phonograph" oder "Coin Operated Phonograph" bekannt war. Erst Glenn Miller, der Kontakte zu schwarzen Musiker:innen pflegte, verwendete diesen Begriff in der Öffentlichkeit. 1946 übernahm AMI diesen Begriff ebenfalls mit der Einführung des Modells A, der sog. "Mother of Plastic".

 

Eckdaten der Musikbox-Historie
Als notwendige Meilensteine für das Konzept der Musikbox "Musikhören nach Geldeinwurf", sind der natürlich der Walzenphonograph von Thomas Alva Edison (1877) und die erste Schallplatte von Emile Berliner (1888) zu nennen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch viele Geräte, Erfindungen und Weiterentwicklungen, die erwähnt und aufgeführt werden.
Zur Verfügung gestellt von Jukebox-World und den Danish Jukebox-Archives von Gert Almind.

1877
 

Walzenphonograph von Thomas Alva Edison: ein notwendiger Vorläufer für das Konzept der Musikbox "Musikhören nach Geldeinwurf".

Edison Walzenphonograph

1882

Paul Ehrlich (1849-1925) entwickelt und patentiert noch vor der Erfindung des Grammophons und der Schallplatte ein "Mechanisches Musikwerk mit kreisförmigen Notenblättern" - das Ariston, Patent-Nr. 21715.
Dieser kleine mechanische Plattenspieler aus Holz spielt runde Lochplatten aus Pappe unter ständigem Drehen einer Kurbel ab. Dabei sieht man, wie die Löcher der Platte mittels Einfallhebeln abgetastet werden. Wenn ein Hebel ein Loch ertastet, kann der von Blasebälgen erzeugte Luftdruck durch eine Ventilklappe ins Innere des Aristons entweichen. Die unter der Klappe liegende Tonzunge gerät in Bewegung und ein Ton entsteht.
Das Ariston machte die automatische mechanische Musik für die breite Bevölkerungsschicht möglich und wurde ein weltweiter Erfolg.
Quelle: Deutsches Automatenmuseum

Paul Ehrlich Ariston
Paul Ehrlich Ariston

1887/1888

Die erste Schallplatte (aus Zink) von Emile Berliner (geb. in Hannover, 1870 in die USA ausgewandert, gest. 3.8.1929 in Washington). 1887 reicht er das Patent sowohl für das Grammophone als auch die Schallplatte ein.
Unter dem Label "His Master's Voice" mit dem Markenzeichen "Nipper", der Foxterrier, der in den Schalltrichter eines Phonographen schaut, vertreibt er seine Schallplatten und Grammophone.

Emile Berliner

05/1888 

Charles A. Randall reicht sein Patent für das "Automatic Pariophone" ein: münzbetätigtes Gerät zum Aufzeichnen und Wiedergeben von Stimme und Geräusch für Schallplatten und Walzen mit Elektromotor; vermutlich wurde es nie gebaut. Bewilligung: 5/1889

 

Automatic Pariophone

1889

Die Columbia Phonograph Co. wird u.a. von Edward Denison Easton (1856 - 1915) gegründet und stellt in Konkurrenz zu Edison Walzen-Phonographen her. Ursprünglich waren sie als Diktiergerät vorgesehen.

Graphophone Columbia Phongraph

23.11.1889

Louis Glass (1845-1924) stellt den ersten münzbetätigten Phonographen im Palais Royal Restaurant in San Francisco vor. An den sog. Hörschläuchen waren so etwas wie Ohrhörer angebracht.
Louis Glass Geschäftspartner war William S. Arnold (geb. 1851 in Kanada, US Bürger in 1882, gest. 1908 in Kalifornien).
Besitzer des Palais Royal: Frederic Mergenthaler (geb. 1840 in Straßburg, FR), gest. 1902 in Kalifornien).

Louis Glass

1890

Leon Forrest Douglass reicht sein Patent "Automatic Coin Controlled Phonograph" ein, ein münzgesteuerter Mechanismus für kommerzielle Zwecke, insbesondere für Phonographen.
Patent US431,811, eingereicht am 16. April 1890

Leon Forrest Douglass

1891

Albert K. Keller meldet drei Patente an für die "Machine for operating Phonographs", dem ersten erfolgreichen und zuverlässigen münzbetriebenen Phonographen auf Basis des Edison Mechanismus. Die Rechte überträgt er an die Automatic Phonograph Exhibition Co. in New York (1890-1894), Geschäftsführer Felix Gottschalk.
Patente US518190, 518191 und 518192.

Alber K. Keller Automatic Phonograph

1891

Im Februar 1891 reichen Georg Martin Pfeiffer und die Automaten-Fabrik E. P. Wicke & Co. (König-Johann-Straβe 15, Dresden) ein Patent für das erste kommerzielle Münz-Grammophon in Europa ein.

G.M. Pfeiffer - E.P. Wicke Münz Grammophon

1902

Cyrus Crooks Shigley reicht ein Patent für einen münzbetätigten Zylinder-Wechsler-Phonographen ein. US727,002.

Julius Wellner Patent

1904

 

Die Deutsche Grammophon AG (gegründet 1898 in Hannover, Gründer Emile und Joseph Berliner), stellt den "Selbstkassierender Sprechapparat mit selbsttätiger Plattenförderung" vor - bekannt als Automat IV - mit Nadelwechsler für sechs und zwölf Schallplatten

Deutsche Grammophone

1904

 

Julius Wellner (geb. 25.4.1869 in Österreich-Ungarn, gest. 1917 in Philadelphia, USA) - Gründer der Perfection Music-Boxes Co., reicht 1903 ein Patent für ein Gramophone mit Nadelwechsler ein. Eingetragen im August 1904 mit der Nummer 766,651.
 

pdf  Julius Wellner

Julius Wellner Patent

1906

 

Gabel stellt die "Automatic Entertainer" vor: 24 Wahlen, automatischer Nadelwechsler und Trichter zur Schallverstärkung, Durchmesser 40".

Gabel Automatic Entertainer

1905 - 1921

 

Die Regina Music Box Company of Rahway, N.J. produziert mit den Modellen "Automatic Reginaphone 100" und den "Hexaphon 101 - 104" den vermutlich erfolgreichsten "Nickel-in-the-slot" Vorläufer der heute bekannten Musikbox.

Regina Hexaphone

1926/27

Die elektrische Verstärkung des Tons kommt auf und ermöglicht so eine bessere Klangwiedergabe.
U.a. reicht auch
Leon Forrest Douglass dafür das Patent "Amplifying and Reproducing System" im Oktober 1927 ein, US1760821A.
 

Leon Forrest Douglas Amplifying and Reproducing System

1927

Erste Modelle mit elektrischen Verstärkern werden vorgestellt.
AMIs "National Automatic Selective Phonograph" wird meistens als die erste Musikbox bezeichnet.
Weitere Modelle vorgestellt 1927: Seeburg's "Melotone" und  Western Electric Piano Company's "Selectrophone"

AMI National Automatic Selective Phonograph

1930er Jahre

Die Gehäuse sind hölzern und sehen eher nach 'Möbeln' aus; Art Deco Elemente sind sichtbar. Wurlitzer präsentiert 1933 ihr erstes Modell (Debutante), Rock-Ola erst 1935 (Multi-Selector)

Wurlitzer Debutante

1934

Nach bisheriger Kenntnis baut Max Grabs (Deutschland) die erste Kombination aus Fernwähler und Musikbox, bei der Titel direkt angewählt werden. Über den Selektor wird mittels einer Spule die direkte Wahl ausgelöst.

Max Grabs Musikbox Jukebox

1937

Gabel verwendet vermutlich mit dem Modell "Starlite" als erste Firma beleuchtete Plastiks.

Gabel Starlite

1938

Hermann Prange, Ibbenbüren, reicht ein Patent für den "Schallplattenspielautomat mit Wählvorrichtung" ein. Hierbei geht es zum einen um das gezielte Anwählen einer Schallplatte. Diese befinden sich in einem Stapel auf dem Plattenteller. Zum Abspielen wird der Stapel über der gewählten Schallplatte angehoben, so dass Platz für den Tonarm oberhalb der Schallplatte entsteht. Patent 716536, erteilt 1942.
Diese Art des Abspielens wird z.B. in der Wiegandt Tonmaster verwendet.

Hermann Prange Schallplattenspielautomat mit Wechselvorrichtung

1940

Erste Film-Musikboxen werden vorgestellt: Panoram (Mills), Phonovison, Filmotone (Jersey Specialty Co.), Vis-O-Ton (Ampro Co.).

Mills Panoram

1942

 

Die USA tritt in den Krieg ein; die Neuproduktion von Musikboxen wird aufgrund von Materialknappheit (Restriktionen) eingestellt und die Firmen steigen in die Rüstungsindustrie ein. Es werden jedoch Modelle mit alten aufgearbeiteten Mechaniken in neuen Gehäusen produziert, z.B. die Victory der US Wurlitzer.

Wurlitzer Victory

1942-43

 

Die Plattenindustrie verwendet mit der Werbung neuer Schallplatten den Begriff "Coinograph".

Coinograph

1940er Jahre

Werden als das sog. "Golden Age" bezeichnet: farbige, beleuchtete Plastiks kennzeichnen diese Modelle.
Das sog. "Telephone Line Music System" kommt auf: eine (zumeist weibliche) Vermittlungsperson wurde durch ein Mikrofon (Telefonleitung) angesprochen, die den gewünschten Titel auflegte. Modelle z.B. AMI Automatic Hostess, Shyver Multiphone

Shyvers Multiphone

1946

Wurlitzer präsentiert die 1015, die zur legendärsten und bekanntesten Musikbox aller Zeiten werden wird.
AMI übernimmt den Begriff "Jukebox" offiziell mit Einführung der "A"

Wurlitzer 1015

1948

Seeburg stellt seinen ersten 200 Wahlen Mechanismus mit den "Industrial Commercial Music Center" vor. Es können 25 und 30 cm Schellackplatten abgespielt werden. Eine direkte Anwahl einzelner Titel wie in einer Musikbox erfolgt jedoch nicht.

Seeburg IC-S1 Library Unit

1949

Seeburg stellt die M100A vor, die 50 Schellackplatten beidseitig abspielen kann.

Seeburg M100A

1950

Seeburg stellt mit der M100B die erste Musikbox für 45 U/Min vor.

Seeburg M100A

1950er Jahre

Sog. "Silver Age": Chrom und Glas kennzeichnen das Design der US-Modelle, die Mechanik ist sichtbar.

 

1952-53

Deutschland produziert eigene Musikboxen: Wiegandt präsentiert in 9/1952 eine Musikbox für 40 Wahlen, gefolgt von Tonomat's "V102" für 102 Wahlmöglichkeiten in 2/1953

Wiegandt Musik-Box 1952 - erste deutsche Musikbox

1955

Seeburg stellt die erste Musikbox mit 200 Wahlmöglichkeiten vor, Modelle V200 und VL200

Seeburg Jukebox

1956

Mit der "Tonmaster", zunächst als "Tonmeister" bezeichnet", stellt Wiegandt vermutlich die erste Wandmusikbox vor.

Wiegandt Tonmeister Wandmusikbox

10/1958

Seeburg stellt die erste "Stereo-Jukebox" vor - Modelle 220 und 222, auch bekannt als "Channel"

Channel

1960er Jahre

Das Design wird sachlicher, die Mechanik wird zunehmend durch bedruckte, bunte Glasscheiben oder Titelhalter verdeckt;
sog. Intermix für 33 und 45 rpm wird beliebt, meistens für die Albumwahl

1970er Jahre

In der 2. Hälfte des Jahrzehnts halten die ersten computergestützten Musikboxen Einzug

R.O. 477 Rock-Ola Musikbox Jukebox

1984

Nachdem Film-Musikboxen bereits 1940 und in den 1960er Jahren verwendet wurden, stellt AMI mit der R-88 V/MEC ein Music-Video-Entertainment Center vor. Oben auf der Musikbox  wird ein Bildschirm platziert. Für einige Songs wird das passende Video abgespielt.

 

1986

 

AMI bietet sog. Combo-Jukeboxen an - bestückt mit Singles und CDs - Modell R90;
Seeburg stellt die erste CD Jukebox vor - Modell SCD1
Die Deutsche Wurlitzer baut mit der "1015 One More Time" - kurz OMT - das legendäre Modell 1015 von 1946 nach; zunächst nur für Vinyl, dann auch für CDs (1987). Diese Box wird an den Erfolg des Vorbildes anknüpfen. Das nostalgische Design der 1015 wird danach auch von anderen Firmen wie Rock-Ola (resp. Antique Apparatus), AMI, NSM und Seeburg verwendet.

Seeburg SCD-1

2000 ff.

Digitale Jukeboxen mit DVD, Touchscreen, Download Funktionen, iPod etc. halten Einzug.

Rowe/AMI Laserstar Nite Hawk

Gabel Entertainer Jukebox Musikbox
Gabel Autom. Entertainer


Fernwähler
Max Grabs
Western Electric Selectraphone Jukebox Musikbox Speaker
Western Electric
Selectraphone
Gabel Starlite Jukebox Musikbox
Gabel
Starlite
W1015 Wurlitzer 1015 Musikbox Jukebox
Wurlitzer
1015
AMI A AMI Musikbox Jukebox Mother of Plastic
AMI

A
M100A Select-O-Matic Seeburg Jukebox Musikbox Juke Box M 100 A
Seeburg

M100A
Seeburg M100 B Select-O-Matic Seeburg Jukebox Musikbox Juke Box M 100 BL
Seeburg

M100BL

Wiegandt

Musik-Box

Tonomat

V 102 Prototyp
V200 Seeburg Select-O-Matic Seeburg Jukebox Musikbox V 200
Seeburg

V200
AMI Musikbox Jukebox I-100 I-120 I-200
AMI
I
Seeburg 220 Channel Seeburg Jukebox Musikbox Juke Box M 100 C
Seeburg

220
R.O. 429 Rock-Ola Jukebox Musikbox Starlet
Rock-Ola
429 Starlet
R.O. 477 Max Rock-Ola Jukebox Musikbox
Rock-Ola
477 Max
AMI ROWE Jukebox Musikbox R-90
Rowe/AMI
R-90
SCD-1 SCD1 Seeburg Jukebox Musikbox Juke Box
Seeburg

SCD-1
OMT CD Jukebox Musikbox Wurlitzer One More Time
Dt. Wurlitzer
OMT-CD
NSM Chameleon Musikbox Jukebox
NSM
Icon
Antique Apparatus Nostalgic Music Center Jukebox Musikbox
Rock-Ola
Bubbler

Sound Leisure
1015

Hinweis: die Seiten öffnen sich im neuen Fenster

Aktuell noch produzierende Firmen
Rowe/AMI (USA)
Rock-Ola (USA) - seit 7/2019 neuer Inhaber Games Room Antiques, UK
Sound Leisure (GB) - seit Ende 2023 Lizenz für den Namen "Wurlitzer" in "Wurlitzer 1015 Tribute"
NSM (D bzw. GB) - seit 2/2017 zu AMI Entertainment, USA, gehörend
TAB Austria (AT)
TouchTunes (USA)